Editorial weiter...
Das Erlebnis eines gelungenen, prägnanten und stimmigen Rituals
kann mich nach all den Jahren immer noch tief im Herzen berühren.
Dem Tantramassage-Ritual liegt ein sehr durchdachtes Konzept
zugrunde. Dieses schrittweise Vorgehen im Annähern, Begrüßen,
Kontaktaufbauen, Vertiefen, Auflockern, Beschleunigen, Verlangsamen,
Halten, wieder Vertiefen.. hat eine logische Choreografie.
Im Vordergrund steht nicht die individuelle Auswahl, Folge
und Gestaltung von Griffen, sondern die einmal ausgearbeitete
und gültige Struktur, die dem Handeln der Massierenden
Autorität verleiht. Hier liegt der Vergleich mit einer
Ikone oder einem Mandala nahe. Beide entstehen nach kanonisierten
Herstellungsvorschriften. Diese wurden irgendwann festgelegt
und es wird immer nach dem gleichen Grundmuster verfahren. Eine
Ikone ist deshalb kein freies Kunstwerk. Sie wird auch nicht
mit dem eigenen Namen signiert. Dies verleiht dem Ergebnis Wirkung,
die jenseits dessen geschieht, was Geschmack oder Ego vermögen.
Natürlich ist jeder Gast anders. Jeder soll individuell
gesehen und behandelt werden. Ebenso hat jede Masseurin ihren
eigenen Stil. Es hat aber keinen Sinn, Ritual und Individualität
gegeneinander zu stellen. Die Art zu berühren, den Kontakt
zu halten, Nähe zu geben, bieten unendliche Möglichkeiten,
der Massage Individualität zu verleihen. Eine Beliebigkeit
des Ablaufs durch individuelles Abändern, Weglassen oder
Vertauschen dagegen, schwächt die Wirkung des Rituals.
Spielfilme dauern normal 90 Minuten – so lange, wie das
Massage-Ritual. Es ist das Geheimnis aller guten Filme, dass
sie einer dramaturgischen Struktur folgen, die in allen Kulturen
verstanden wird. Und wie viel können sie uns erzählen!
Die Kunst der Ausübung des Rituals besteht gerade darin,
seinen Reichtum und den zeitlichen Rahmen in Übereinstimmung
zu bringen.
Als Prüfer der Dakinimassagen sehe ich meine Aufgabe nicht
nur darin, die Berührungsqualität der ausgebildeten
Masseurinnen zu prüfen. Ich möchte auch dafür
einstehen, dass der Reichtum, die Vielfalt, die Schönheit
und der geistige Gehalt des Rituals erhalten bleiben. Diese
müssen aber von innen her verstanden und authentisch ausgeführt
werden können, sodass jeder Gast sich an Leib und Seele
berührt fühlen kann – mit jeder Massage neu.
Dies wünsche ich Ihnen, liebe Gäste und dafür
setze ich mich ein.
Ihr
Gerhard Cordes in Zusammenarbeit mit Monika Kochs
Sei Mann. Sei Frau. Sei Mensch. Sei du.
Termine nach telefonischer Vereinbarung täglich von 9
bis 21 Uhr:
0711 29 09 56